Nachdem ich mich wieder mal über schleifende Bremsen ärgern musste,
habe ich mich dazu entschlossen, endlich den Einkammer-Hydrair
zu zerlegen.
Da ich bereits die Bremsschläuche gewechselt und alle schwergängigen
Radbremszylinder zerlegt und poliert hatte, kamen als Ursache nur
noch der Hydrair oder der Hauptbremszylinder in Frage.
Da sitzt der Hydrair, gut versteckt am Fahrzeugrahmen unter dem
Kofferaufbau bzw. unter der Pritsche.
Laut Zeichnung sieht das Bauteil recht kompliziert aus und die
Funktionsweise ging mir noch nie so richtig in den Kopf, daher habe
ich mich um diese Arbeit so lange wie möglich gedrückt. Aber nun komme
ich nicht mehr umhin.
Auf die Funktion und Arbeitsweise will ich nicht eingehen, das findet
man in diversen Unterlagen. Stattdessen beschreibe ich meine Erfahrungen
beim Zerlegen des Hydrairs, das ist nämlich gar nicht so schwierig,
wie ich es mir vorstellt hatte.
Eine Vorab-Recherche zum Innenleben des Hydrairs im Internet brachte
nur magere Ergebnisse, daher mein Entschluss, das Ganze textlich und
bildlich an dieser Stelle zu dokumentieren.
Wartung
Der Hydrair ist ein teures und damit kostbares Bauteil, für das kaum
Ersatzteile erhältlich sind. Es gibt zwar keine besonderen
Wartungsvorschriften, aber der Hersteller empfiehlt (Zitat):
" … im Rahmen der Fahrzeug-Überprüfung das Gerät zu demontieren und
sämtliche Laufflächen neu zu fetten. Hierbei ist darauf zu achten,
dass der Druckluftteil nur mit Fetten, die auf Mineralölbasis liegen,
behandelt wird. Manschetten und deren Laufflächen, die mit der Hydraulik
in Verbindung stehen, nur mit Ate-Zylinderpaste behandeln."
Dem kann ich mich nur anschließen, denn dann hätte es mit meinem Hydrair
bestimmt keine Probleme gegeben.
1
Ventilfänger
2
Bremsschlauch
3
Einlass-Sitz
4
Doppelventilkegel
5
Auslass-Sitz
6
Druckluft-Wiegekolben
7
Bremskammer
8
Druckluft-Bremskolben
9
Bohrung
10
Bohrung
11
Bohrung
12
Entlüfterkammer
13
Bohrung
14
hydraulischer Arbeitskolben
15
Raum
16
Bodenventil
17
Bohrung
18
Kolbenhohlstange
19
Manschette
20
Raum
21
Manschette
22
Bohrung
23
Feder
24
Feder
25
Befestigungsschrauben
26
Seegerring
27
Sicherungsstift
28
Nutring
29
Nutring
30
Kolben
31
Schraube
32
Rundschnurring
33
Nutring
33a
Manschette
34
Deckel
35
Spannstift
36
Druckfeder
37
Bodenscheibe
38
Schraubstutzen
39
Dichtung
40
Rundschnurring
A
Anschluss zum druckluftgesteuerten Anhängerbremsventil
bzw. verschlossen bei Fahrzeugen ohne Anhängerbetrieb
E
hydraulische Entlüftungen
F
Auslassfilter der Druckluft
H
Zuleitung vom Hauptbremszylinder
R
Ableitung zu den Radbremszylindern
V
Zuleitung vom Druckluftbehälter
Der hydraulische Teil, also dort, wo Bremsflüssigkeit anliegt, ist in
der Darstellung rot hinterlegt.
Der pneumatische Teil wo nur Luft ansteht, ist grün hinterlegt.
Demontage
Normalerweise muss ich mit allen Verschraubungen kämpfen, die ich noch
nie gelöst hatte, aber das Lösen der hydraulischen und pneumatischen
Anschlussleitungen verlief eigenartig gut (vorher natürlich den
Luftdruck ablassen!). Ich sehe das als Beweis dafür, dass der Hydrair
zerlegt werden wollte. Dann noch die 3 Schrauben lösen, die den Hydrair
am Fahrzeugrahmen befestigen, und schon hatte ich den Burschen in der Hand.
Das ganze Bauteil mit der Drahtbürste ordentlich vom Dreck der letzten
Jahrzehnte befreit und dann ging es ans Zerlegen.
Und das ging relativ einfach. Meine Befürchtung, dass mir die Teile
wegen der vielen Federn beim Zerlegen entgegen springen, hat sich
nicht bestätigt. Nur beim Lösen der Schrauben (25) drückt Feder (23)
gegen Kolben (8) und somit gegen das Pneumatikgehäuse (X), aber das
kann man ohne Probleme mit der Hand festhalten.
Alle angegebenen Positionen (Ziffern) entsprechen übrigens den Positionen
in der Schnittdarstellung.
Zerlegen der Hydraulikgruppe:
Die Teile (a) bis (14) sind auf der Kolbenhohlstange (18) in Raum (15)
befestigt, (33) und (37) sitzen in Deckel (34).
Die folgenden Maße habe ich gemessen bzw. die Angaben befinden sich auf
den Bauteilen:
Position
Benennung
Maße [mm]
Angaben auf dem Bauteil
a
Schraube
M5 × 8
./.
b
Federzahnscheibe
./.
c
Scheibe
da = 20; di = 5; h = 1
./.
d
Druckfeder
./.
e
Stützring
./.
21
Manschette
K 2027 1-1 Ate +A 23074 H ACQ
f
Füllscheibe
da = 27; di = 19; h = 0,25
./.
14
Kolben
da = 27; h = 31
./.
37
Bodenscheibe
da = 32,8; di = 17,3; h = 8,3
./.
33
Nutring
BBNP 16-32-8 Hydr
Bodenventil (16):
Die große Endkappe vom Hydraulikteil losdrehen, den Seeger-Ring entfernen
und schon hat man das Bodenventil (16) in der Hand.
So, Schluss für heute. Der rest der Geschichte folgt demnächst.