Nach fast 40 Jahren Einsatz bei Wind und Wetter hat die Feuchtigkeit einige
Spuren hinterlassen. Im Sommer 2001 habe ich mich endlich dazu entschlossen,
dem Hanomag mal was richtig Gutes zukommen zu lassen. Koffer runter, Bleche
ab und alles, was rostig aussieht, raustrennen. Um die Kosten und den
Zeitaufwand möglichst gering zu halten, sollten nur der untere Meter der
Seitenwände weg und die maroden Stellen am Rahmen erneuert werden. Während
der Arbeiten habe ich dann doch viel mehr gemacht, als ich eigentlich
geplant hatte.
Ein Klick auf die folgenden Bilder vergrößert die Ansicht.
Oben der Zustand vor der Restauration. Sieht eigentlich gar nicht so wild
aus, aber je freier die Sicht auf den Gitterrahmen, desto klarer ist,
dass der Aufwand doch etwas größer wird.
So sieht der nackte Koffer nun aus. Der ganze untere, äußere Rahmen ist
vergammelt. Neue Stücke einschweißen lohnt nicht. Die Teile werden deshalb
komplett erneuert.
Oben herum sieht es besser aus. An der Tür und in einer Ecke sind nur zwei
Eisen zu ersetzen.
Sämtliche Klappen und Öffnungen, die meine Vorbesitzer gesägt, geflext und
gebohrt haben, sind entfernt und auch ohne Lackierung sieht er schon gar
nicht so übel aus.
Kein Rost mehr, keine genieteten Blechstückchen und keine geflickten Löcher.
Die Tafeln sind nun alle dran, aber die Kleinarbeit wie Lüftungsgitter für
die Gasflaschen, Regenleisten, Tür und Klappen usw. nimmt doch mehr Zeit in
Anspruch, als ich dachte.
Die Farbe rolle ich nun doch nicht. Beim Grundieren und Lackieren des
Gitterrahmens habe ich gemerkt, wie lange das Pinseln dauert. Jetzt wird er
also doch noch "besprüht".
Zum Lackieren muss er allerdings in einen anderen Teil der Halle.
Da das Dach noch das alte ist, bekommt es eine extra Schicht Unterbodenschutz
(grau) und Grundierung (beige) verpasst. 4 Liter in etwa 20 Minuten
aufgetragen. Hätte mit dem Pinsel wesentlich länger gedauert.
Da steht er nun und blitzt und glänzt. Den leeren Koffer auf den Hanomag zu
bekommen, war nicht so einfach wie ich dachte. Runter geht's wesentlich
schneller. Fußboden, Isolierung und Wandverkleidungen kommen neu. Meine
Möbel werde ich ohne Änderungen wieder einbauen, die haben sich die letzten
Jahre bewährt.
Die unterste Ebene ist aus 4 mm Betoplan Sperrholz, wasserdicht. Wenn ich
dann noch die Schnittkante versiegel und die Fugen abdichte, brauche ich mir
um die 21 mm Holzdielen, die darüber kommen, keine Sorgen wegen Spritzwasser
machen. Beim Ausbau der Inneneinrichtung kam unter dem hässlichen PVC der
Holzboden wieder zum Vorschein. Leider hat ein Vorbesitzer wie ein
Weltmeister Kleber benutzt, so dass das Holz nicht mehr zu gebrauchen war.
Zum Isolieren habe ich mich für 40 mm Styropor plus Dampfsperre entschieden.
Das Material ist günstig und lässt sich gut und schnell verarbeiten. Eine
teure Isolierung lohnt sich meines Erachtens nicht. Der Koffer verfügt
schließlich auch nicht über Doppelverglasung. Einiges an Wärme geht sowieso
im Bereich der Tür und Durchgang zum Fahrerhaus verloren.
Der Boden ist nun fertig, die Innenverkleidung eingebaut.
Die Sperrholzplatten sind genietet. Ich habe nicht vor, sie nochmal abzubauen.
Der Kleinkram hält ewig auf. Eigentlich wollte ich nach dem Lackieren den
Wagen mal eben fertig machen. Möbel rein, Anbauteile ran und fertig. Dann
habe ich an den Schränken doch noch einiges geändert und so kam ein
Wochenende nach dem anderen. Innen bin ich jetzt jedoch fast fertig. Meine
beiden Klappen mit den weggegammelten Gummileisten sind nun auch dran. Jetzt
wirklich nur noch ein paar Kleinigkeiten, nochmal ans Bremssystem und dann
ab zum TÜV.
Da es einige Anfragen gibt, wie ich was gemacht habe, möchte ich etwas
genauer auf die Arbeiten eingehen.
Es gibt viele Möglichkeiten, den Koffer bzw. das Fahrzeug zu restaurieren.
Jeder hat seine eigenen Ansichten, was wie besser geht, aber ob die
Ratschläge wirklich gut waren, merkt man leider erst nach ein paar Jahren.
Um mir diesen Ärger zu ersparen, habe ich mich bei einem Fachbetrieb
(Meisterbetrieb Karosseriebau mit eigener Lackiererei) informiert. Die Leute
dort machen 1a-Arbeit und haben richtig Ahnung vom Geschäft (und eine
heimliche Liebe zu alten Autos).
Leider ist mein finanzielles Budget begrenzt, daher musste ich einige
Kompromisse eingehen. Ich hätte am liebsten nur die besten Materialien
genommen, aber es ist halt alles auch eine Frage des Geldes.
Nun zu den Details:
Die neuen Bleche sind verzinkte Stahlbleche (0,88 mm Stärke). Diese Bleche
werden im Lkw-Bau benutzt und sind daher auch für den Koffer gut geeignet.
Verarbeitet habe ich zehn Tafeln 2,00 x 1,00 m und zwei Tafeln 3,00 x 1,00
m. An Front- und Rückseite jeweils oben und unten (überlappend) eine kleine
Tafel, an der Fahrerseite jeweils oben und unten 2 kleine Tafeln, an der
Beifahrerseite links von der Tür jeweils oben und unten eine große Tafel
und die letzten beiden kleinen Tafeln für den Bereich rechts der Tür, die
Tür selbst und die beiden Klappen an der Rückwand.
Die alten Bleche waren unter den Leisten genietet und an den Ecken gepunktet
(vermutlich um bei der Montage die Bleche erstmal zu fixieren). Für das Nieten
habe ich mich wieder entschieden, gepunktet wurde nichts - ich hatte genug
Schraubzwingen und helfende Hände. Es ist einfach, schnell und sauber. Beim
Schweißen muss man den Rahmen und die verzinkten Bleche anschleifen
und hinterher die Schweißnähte glattschleifen. Es kommen viele Meter an
Schweißnaht zusammen und das Schleifen würde eine zeitaufwendige Arbeit.
Außerdem fängt er an den geschweißten Stellen bestimmt als erstes an zu
rosten, wenn man nicht bis in den kleinsten Spalt mit Rostschutz kommt - und
das wird teilweise schwierig bis unmöglich. Leisten kommen keine mehr dran.
Dort sammelt sich nur wieder die Feuchtigkeit.
An der unteren Kante waren die Bleche gekantet und genietet. Das wollte ich
zunächst auch machen und schön abdichten, damit kein Feuchtigkeit
reinkommt. Aber wo nichts reinkommt, kommt auch nichts raus. Meine
"Berater" haben mir dringend davon abgeraten. Nun enden die Bleche unten
bündig mit dem Rahmen, damit eventuelle Feuchtigkeit von innen gut abtropfen
kann. Dort war übrigens in der Vergangenheit auch der meist Rost (vielleicht
wegen der dichten Kante?).
Den Rahmen habe ich komplett entrostet und geschliffen. Grundiert ist er mit
1K Primer (rotbraun) von Sikkens - soll ein Super-Zeug sein. Farbe weiß ich
nicht. Ein schwarzer Lack, der noch übrig war.
Die Lackierung des Koffers ist eine sehr komplizierte Sache. Da gibt es
Lauge, mit der man Alu und Verzinktes vor dem Grundieren wäscht (Nitro zum
Entfetten alleine genügt nicht!). Die Lauge ist mit Wasser abzuspülen.
Danach Gundieren, das ist wieder abhängig vom Untergrund (Eisen, Verzinktes,
Alu, Kunststoff). Grundierung anschleifen und Farbe drauf. Die ganze
Prozedur ist allerdings auch wieder vom Farbhersteller abhängig, so dass ich
darauf nicht weiter eingehe.